Das Schach ist nur durch die Fehler existenzberechtigt.
Savielly Grigorievitch Tartakower, Großsmeister

Deutsche Schnellschach-Meisterschaft 2020 in Plochingen

29.09.2020

Bericht von Pascal Neukirchner

Am 19./20. September fanden die Deutschen Schnellschachmeisterschaften in Plochingen bei Stuttgart statt.
Für das Turnier musste man sich über die jeweiligen Landesmeisterschaften qualifizieren, wodurch nur die besten Spieler des Landes zur Meisterschaft reisten.
Insgesamt nahmen 40 Spieler teil und ich startete als Setzranglisten 29. ins Rennen, womit ich also auf jeden Fall zu den Außenseitern gehörte. Gespielt wurde im Modus 15 Minuten plus 10 Sekunden pro ausgeführten Zug.
Natürlich mussten die Veranstalter Corona-Maßnahmen ergreifen und konnten dieses Turnier nicht wie die Turniere noch vor einigen Monaten veranstalten. Daher war im Turniersaal das Tragen einer Maske Pflicht, nur am Brett durfte man diese ausziehen.
Zudem wurde regelmäßig gelüftet und die Bretter, Uhren sowie Figuren nach jeder Partie desinfiziert.
Nun aber zum Turnierablauf:
In Runde 1 spielte ich gegen IM Gunter Spiess, der mit einer Wertungszahl von 2380 weit über meiner lag und daher war ich froh, als er eine Zugwiederholung angeboten hat, was dann zum Remis führte.
Für mich war dies ein kleiner Erfolg, dabei übersah ich aber komplett, dass ich eigentlich in der Schlussstellung sogar hätte gewinnen können.

Partie 1

Dies zeigte mir, dass eventuell doch mehr als gedacht drin war und ich nahm mir vor in den nächsten Partien mehr zu riskieren und nicht jedes Remis mitzunehmen.
In Runde 2 spielte ich dann gegen den nächsten Internationalen Meister Hannes Langrock. Die Partie war meiner Meinung nach die schönste im ganzen Turnier, da ich bereits in der Eröffnung ein postionelles Quallitätsopfer gebracht habe und die gesamte Partie dann mit Qualle weniger spielen musste. Dennoch war meine Stellung nie schlechter und ich konnte meinen Gegner langsam überspielen.

Partie 2

In Runde 3 dann zur Abwechslung mal „nur“ ein FM der London gegen mich spielte. Nach einigen Ungenauigkeiten seinerseits konnte ich die Stellung gegen den in der Mitte gefangen König öffnen und einen von Erfolg gekrönten Angriff starten.

Partie 3

In Runde 3 dann zur
Abwechslung mal „nur“ ein FM der London gegen mich spielte.
Nach einigen Ungenauigkeiten seinerseits konnte ich die Stellung
gegen den in der Mitte gefangen König öffnen und einen von Erfolg
gekrönten Angriff starten.

Partie 4

Als nächstes spielte ich gegen Anthony Petkidis, der zwar keinen Titel hat, aber mit 2375 definitiv die Stärke eines Titelträgers hat. Die Partie war lange Zeit recht ausgeglichen, bis ich einen Fehler machte und er an einer Stelle sogar gewinnen konnte. Zu meinem Glück hat er dies nicht gesehen und als die Stellung weiter verflacht ist, hat er es einfach überzogen und in Zeitnot sogar noch verloren.

Partie 5

In der Schlussrunde des ersten Spieltages bekam ich erneut eine sehr aussichtsreiche Stellung, die mein Gegner jedoch ausgefallen verteidigte und eine Festung errichtete. Da gab es kein Durchkommen, daher folgte die Punkteteilung.

Somit stand ich nach 5 Runden mit 4 Punkten auf dem geteilten ersten Platz, zusammen mit vier Konkurrenten.

Partie 6

Den Abend verbrachte ich dann mit einer intensiven Vorbereitung auf meinen nächsten Gegner, welche dann tatsächlich auch Früchte getragen hat, denn ich habe meine erste Partie am zweiten Spieltag gegen den Großmeister Roland Schmaltz gewonnen, der nominell auch der stärkste Spieler im Feld war.

Partie 7

Meine Konkurrenten spielten größtenteils Unentschieden, wodurch ich nun meine Führung nur noch mit FM Marco Dobrikov geteilt habe, gegen den ich nun auch spielen musste.
Nach einer sehr lange ausgeglichenen Stellung konnte ich ein paar Ungenauigkeiten im Endspiel ausnutzen und die Partie für mich entscheiden.

Partie 8

Somit hatte ich nun einen ganzen Punkt Vorsprung auf das restliche Feld und sicherte meinen Turniersieg mit zwei Remisen in den letzten beiden Runden.
Zunächst habe ich gegen IM Mark Kvetny gespielt und konnte ihn im Mittelspiel recht schnell überspielen.
Jedoch habe ich meine Stellung nicht optimal umgesetzt und als wir in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern endeten, habe ich meine Gewinnversuche eingestellt und das Remis akzeptiert, schließlich wollte ich auch kein Risiko mehr eingehen.

Partie 9

Runde 9 ging dann besonderes schnell. Nach verkorkster Eröffnung meines Gegners bot dieses Remis an und da ich vor der Runde einen halben Punkt und zwei Buchholz Vorsprung hatte reichte dies sehr sicher zum Gesamtsieg und ich nahm ohne Zögern an

Insgesamt gewann ich also mit 7/9 Punkten und das obwohl all meine Gegner Titelträger mit deutlich stärkeren Wertungszahlen waren. Mein Sieg war demnach also eine riesige Überraschung und der größte Triumph in meinem bisherigen Leben.

Weitere Berichte:

https://de.chessbase.com/post/dt-schnellschachmeisterschaften-elisabeth-paehtz-und-pascal-neukirchner

http://hessischer-schachverband.de/news/im-elisabeth-paehtz-und-fm-pascal-neukirchner-sind-deutsche-meister-im-schnellschach

http://www.main-vogelsberg-schachverband.de/aktuelles/24-mvs/326-pascal-neukirchner-deutscher-meister